49°00’02.6’‘S 171°35’32.9’’W

20.03.16–03.04.16 Natalia Schmidt
Vernissage:
Samstag, 19.3.
ab 19 Uhr
Finissage:
Sonntag, 3.4.
ab 16 Uhr

Öff­nungszeit­en:
So 16–20 Uhr
Di/Do 18–20 Uhr
Oster­son­ntag geschlossen.

03.04. 18 Uhr Kura­toren­führung mit der Kün­st­lerin

Ausstel­lungsan­sicht­en

Es gibt keinen Grund für diese
Wahrheit.
Und wo kein Grund ist, fällt sie.
Nur dort wo Tiefe ist, hat der
Grund Bestand.
Und wo wäre dieser Grund?
An einem Ort der mor­gen ist,
der in der Zukun­ft liegt, direkt
gegenüber, ohne Gren­zen …
vielle­icht im Meer … im Paz­i­fik.

Die Konzep­tkün­st­lerin Natalia Schmidt präsen­tiert mit ihrer Einze­lausstel­lung 49°00’02.6’’ S 171°35’32.9’’ W im Luis Leu den Auf­takt des als ‘work in progress’ angelegten Pro­jek­tes „Antipo­dia“ (Antipode; von griechisch ἀντί antí „gegen“ und πούς poús „Fus“, wörtlich „Gegen­füßler“) und lädt zu ein­er imag­inären Reise an einen Ort ein, welch­er sich ein­er gängi­gen Vorstel­lung sein­er selb­st wider­set­zt.

Die Atopie wird zum intellek­tuellen Raum des antipodis­chen Gegenübers. Spiegel­nd versinkt man im flu­iden Dazwis­chen der von Gren­zen befre­it­en Zukun­ft in Bezug auf die real wirk­enden Mod­elle von Veror­tung. Die Antipode lotet einen gegen­sät­zlichen, abstrak­ten Raum aus — welch­er den­noch einem konkreten, realen Ort entspricht, der nicht zu existieren scheint.

Die Koor­di­nat­en 49°00’02.6’’ S 171°35’32.9’’ W / 49°00’02.7’’ N 8°24’27.1’’ E markieren den zum Ausstel­lung­sort (Luisen­straße 32, 76137 Karl­sruhe) antipodis­chen Punkt, welch­er im 5342 m tiefen Paz­i­fik ein atopis­ches Gegenüber 12 h in der Zukun­ft entwirft. Ein­er Erfahrbarkeit und Hand­hab­barkeit beraubt, stellt er sich im inter­na­tionalen Gewäss­er rein geografisch fix­iert einem his­torisch und gesellschaftlich definierten und damit begren­ztem Raum ent­ge­gen. Die flu­ide Ober­fläche des tiefen Meeres als Spiegel­bild ver­standen, eröffnet u.a. einen Dia­log über den aktuellen Renais­sancegedanken geopoli­tis­chen Denkens und Han­delns und lotet philosophisch die damit ver­bun­de­nen Geschehnisse des 20. und 21. Jahrhun­derts aus.

Die Tat­sache, dass sich dieser antipodis­che Ort in inter­na­tionalem Gewäss­er befind­et, auf dem die Geset­ze der Hohen See gel­ten, bilden ein­er­seits die legale Grund­lage für das Vorhaben ein­er Veror­tung als auch den assozia­tiv­en Rah­men für einen ästhetisch philosophis­chen Diskurs und die kün­st­lerische Find­ung dieses Ortes. Als intellek­tuelle Ebene begrif­f­en soll diese gren­zen­lose Sphäre einen poet­isch-dial­o­gis­chen Begriff eines geografis­chen Raumes entwer­fen. Deren Ziel wird es sein, diesen bis jet­zt namen­losen Ort zu benen­nen und sowohl virtuell als auch real im Paz­i­fik kar­tografisch zu markieren. Nach welchen Kri­te­rien ließe sich dieser abstrak­te Ort beze­ich­nen, der doch unser direk­tes Gegenüber ist?

Natalia Schmidt und Jen­ny Star­ick, 2016

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